Formen und Phasen der Ausbildung

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Sozialform der Ausbildung

 

Zur Ausbildung im Vorbereitungsdienst nehmen Vikarinnen und Vikare pfarramtliche Aufgaben in der Kirchengemeinde der jeweiligen Ausbildungsregion wahr. Ihre Arbeit ist mentoriert von einem Ausbil-dungspfarrer oder einer Ausbildungspfarrerin.  Vikarin bzw.Vikar bilden zusammen mit ihrer Ausbildungspfarrerin bzw. ihrem Ausbildungspfarrer das Ausbildungstandem.

Die Vikarinnen und Vikare eines Kirchenbezirks sind zu einem Ausbildungsteam zusammengefasst, das wöchentlich an einem Halbtag zu einem Arbeitstreffen zusammen kommt.
In Ausbildungskursen und Praxisbegleitungen werden die Grundaufgaben des Pfarrberufs in der Kursgruppe, die alle Vikarinnen und Vikare einer Ausbildungsregion bilden, multiperspektivisch reflektiert. Ausbildungskurse werden von den landeskirchlichen Einrichtungen Pfarrseminar und ptz durchgeführt.

 

Das Pfarrseminar ist im Rahmen der landeskirchlichen Vorgaben für Konzeption, Koordination und Durchführung der Ausbildung verantwortlich. Es erstellt den Ausbildungszeitplan. Dieser gewährleistet, dass die wesentlichen Grundaufgaben im Pfarrdienst (Gottesdienst, Seelsorge, Bildung und Leitung) während des Vorbereitungsdienstes kennen gelernt, eingeübt und reflektiert werden können.

 

Im Bereich Bildung in Schule und Gemeinde ist das Pädagogisch-Theologische Zentrum mit der Ausbildung betraut.

 

 

 

Ausbildungsabschnitte

Die Zeit des Vorbereitungsdienstes ist in drei Abschnitte gegliedert:
 

  1. Die Basisausbildung dauert 21 Monate. Sie wird strukturiert durch die Teilabschnitte Hinführung zur Praxis und kontinuierliche Praxis.  Dieser Abschnitt wird mit dem ersten Teil des Examens (Prüfungslehrprobe, Prüfungsgottesdienst, Klausur in Kirchenrecht und Kirchlicher Verwaltung, mündliche Prüfungen in Gottesdienst, Seelsorge, Bildung) abgeschlossen.

  2. Daran schließt sich die Zeit der Ergänzung und Vertiefung an. Sie dauert 2-4 Monate. Während dieser Zeit arbeiten die Vikarinnen und Vikare in Bereichen der Gesellschaft, die von der Gemeindearbeit nicht regelmäßig erreicht werden.

    In einer wissenschaftlichen Hausarbeit und einer mündlichen Prüfung zum Thema „Leitung“ werden die Erfahrungen dieses Ausbildungsabschnitts reflektiert und das Examen abgeschlossen.


  3. Abschließend ermöglicht die Zeit der Integrativen Gemeindearbeit (4-6 Monate), in der Ausbildungsgemeinde pfarramtliche Dienste mit möglichst weitreichender Eigenverantwortung zu übernehmen.
     

Jeweils zum 01.4. oder 01.10. eines Jahres ist es möglich, den Vorbereitungsdienst zu  beginnen. Er endet nach 29 Monaten zum 31.08. oder 30.03.

 

 

I. Basisausbildung

1.    Hinführungsphase
(bis zu Beginn der Sommerferien bzw. der Faschingsferien)
 

Während der Basisausbildung erreichen die Vikarinnen und Vikare anfängliche Routinen  in den pfarramtlichen Handlungsfeldern Gottesdienst, Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit, Seelsorge und Kasualien.
 

Zum 01.4. (Turnus A) oder 01.10. (Turnus B) beziehen die Vikarinnen und Vikare ihre Dienstwohnung in der Gemeinde, in der sie während des Vorbereitungsdienstes wohnen und ihre Dienste wahrnehmen.

 


Sie werden zunächst in die pfarramtlichen Dienste eingeführt, indem sie

  1. die Dienste ihres Ausbildungspfarrers bzw. ihrer Ausbildungspfarrerin begleiten, beobachten und gemeinsam reflektieren,
  2. bei einzelnen pfarramtlichen Handlungen mithelfen,
  3. nach und nach eigene Dienste übernehmen, zunächst assistiert vom Ausbildungspfarrer bzw. von der Ausbildungspfarrerin,
  4. Dienste regelmäßig übernehmen, begleitet vom Ausbildungspfarrer bzw. von der Ausbildungspfarrerin, der bzw. die die jeweiligen Amtshandlungen mit der Vikarin bzw. dem Vikar in wöchentlich regelmäßig stattfindenden Ausbildungsgesprächen nachbespricht.
     

Während der Hinführungsphase erfolgt zunächst die Einführung in die beiden Handlungsfelder Gottesdienst und Religionsunterricht, wenn möglich auch Konfirmandenarbeit. Die Hinführung zum Religionsunterricht geschieht in der Verantwortung des ptz gemeinsam im Team.


Pfarrseminar und ptz führen während dieser Zeit die Kurse Einführungs- und Kommunikationswoche (je eine Woche), Bildung in Schule und Gemeinde I (zwei Wochen) und Kurs für Gottesdienstgestaltung I (eine Woche) durch.
Die Hinführung zu den Handlungsfeldern Seelsorge und Kasualien geschieht am Anfang der kontinuierlichen Übernahme pfarramtlicher Dienste in diesen Feldern.

 

 

 2. Zeit der kontinuierlichen Praxis

 

Nach Abschluss der Hinführungsphase übernehmen die Vikarinnen und Vikare folgende regelmäßigen pfarramtliche Dienste, bei denen sie von ihrer Aus-bildungspfarrerin bzw. ihrem Ausbildungspfarrer begleitet werden:

  1. Einmal monatlich halten sie einen Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen.
  2. Entsprechend der örtlichen Seelsorgepraxis übernehmen sie einen eigenen Seelsorgebezirk mit ca. 400-600 Gemeindegliedern, die sie seelsorgerlich begleiten und für deren Kasualien sie – entsprechend den örtlichen Gepflogenheiten – zuständig sind.
  3. Sie erteilen wöchentlich vier Stunden Religionsunterricht.  Zwei Stunden sind dabei dem Deputat der Ausbildungspfarrerin bzw. des Ausbildungspfarrers, zwei Stunden dem Deputat einer staatlichen Mentorin bzw. eines staatlichen Mentors entnommen und werden dann auch von dieser bzw. diesem begleitet.
  4. Sie verantworten durchgängig gemeinsam mit der Ausbildungspfarrerin bzw. dem Ausbildungspfarrer die Konfirmandenarbeit.

 

 

Die kontinuierliche Praxis vor Ort wird in der Kursgruppe reflektiert, ergänzt und vertieft durch ein- oder zweiwöchige Ausbildungskurse in Stuttgart-Birkach (Kasualkurs, Bildung in Schule und Gemeinde II und III, Seelsorge, Kurs für Gottesdienstgestaltung II und III, Kirchenrecht und Kirchliche Verwaltung, Pastoraltheologie). Insgesamt finden während der Zeit kontinuierlicher Praxis 10 Kurswochen statt.

 

Im Januar (Turnus A) bzw. Juni (Turnus B) wird der erste Teil der Abschlussprüfungen abgelegt.

 

 

II. Ergänzung und Vertiefung

In diesem Ausbildungsabschnitt schärfen die Vikarinnen und Vikare ihre Wahrnehmung für gesellschaftspolitische und interkulturelle Zusammenhänge. Die besondere Verantwortung des Pfarrberufs für das Gemeinwesen auf der Grundlage des Verkündigungsauftrags tritt in dieser Phase in den Vordergrund. Es werden individuelles Amtsverständnis und gesamtkirchliche Verantwortung zueinander in Beziehung gesetzt und profiliert.

 

Die Dienstwohnung in der Vikariatsgemeinde bleibt während dieser Zeit bestehen.
 

 

Diese Zeit wird vorbereitet, indem die Vikarinnen und Vikare sich (begleitet durch das Pfarrseminar) eigenverantwortlich einen Arbeitsplatz für diese Zeit gesucht haben. Die möglichen Einsatzfelder sind vielfältig, klassisch in den Feldern Diakonie, Mission und Ökumene, aber auch im Pressewesen, in der Wirtschaft oder in kommunalen Verwaltungsstrukturen, etc. Die Einsatzfelder im Umfang eines 100%igen Dienstauftrags werden vom Pfarrseminar genehmigt und die Verantwortlichen dort auf die auf sie zukommenden Anforderungen vorbereitet.
 

 

Ein Einführungs- und ein Auswertungskurs „Kirche in der Welt“ stellen während dieses Ausbildungsabschnitts das Kurscurriculum dar.
 

Abgeschlossen wird der Abschnitt mit dem zweiten Teil des Zweiten Examens.
Im Anschluss daran hat die Kursgruppe die Möglichkeit, eine Ökumenische Studienreise durchzuführen.
 

 

III. Integrative Gemeindearbeit

Für diesen Abschnitt kehren die Vikarinnen und Vikare wieder zurück in die Arbeit in ihrer Ausbildungsgemeinde und übernehmen pfarramtliche Dienste in Gemeinde und Schule. Sie erweitern dabei ihre Leitungskompetenz, indem sie Verantwortung für Teilbereiche in der Gemeinde aus dem Dienstauftrag des Ausbildungspfarrers oder der Ausbildungspfarrerin übernehmen. Das Tandem verändert sich in Richtung eines kollegialen Reflexionsteams. Das Thema Leitung kann dabei besonders in den Fokus treten.


Ein weiterer Schwerpunkt dieser Zeit liegt in der Vergewisserung der geistlichen Ausrichtung des je eigenen Amtes, das in den Ordinationsvorbereitungstagen reflektiert wird. In dieser Zeit findet auch die Vorbereitung des Stellenwechsels statt.


Die Ordination markiert den Beginn des pfarramtlichen Dienstes nach Ende der Ausbildung.
 

 

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